Alex starb am 30. April 2026. Und obwohl uns klar war, dass diese Phase seines Lebens höchstwahrscheinlich die letzte wäre, hat uns die Nachricht von seinem Tod völlig unvorbereitet und tief getroffen.

Als ein Mitglied von The MAGIC of SANTANA weiß ich, dass meine Musiker-Kollegen genauso erschüttert sind von Alex’ Tod wie ich selbst. Denn wir haben mehr, viel mehr verloren als einen herausragenden Sänger. Wir haben einen Freund verloren, einen wundervollen Menschen und einen inspirierenden Weggefährten nicht nur auf, sondern vor allem auch abseits der Bühne.

Wir wollen uns an dieser Stelle nicht mit der Auflistung der bedeutenden Punkte seiner Biographie aufhalten. Jeder Fan weiß, dass Alex Ligertwood, gebürtiger Schotte, vor allem bekannt war als – großartiger – Sänger von SANTANA, mit Unterbrechungen von 1979-1994. Dass er mit Größen wie Jeff Beck, Brian Auger, Troc, Average White Band und anderen zu tun hatte. Dass er Solo-Alben veröffentlicht hat. Und dergleichen mehr. Dies sind alles Eckpunkte der Karriere des Musikers – für uns viel bedeutender aber war Alex Ligertwood als Mensch.

Mit ihm die Bühne zu teilen fühlte sich nie nach Business an. Stattdessen gab es echte Zwischenmenschlichkeit, die geprägt war von dem, was Alex auf jedem Konzert bei der Bandvorstellung dem Publikum mitgab: „It’s all about Peace and Love!“

Auch, wenn ich nur aus meiner Sicht und der von The MAGIC of SANTANA sprechen kann, bin ich ganz sicher, dass Alex‘ Anwesenheit für jeden Musiker, egal ob bei Santana, Brian Auger oder sonstwo, eine Bereicherung war.

Bei aller Virtuosität, die Alex als Sänger an den Tag legte, hat er verstanden, dass diese nicht unbedingt der magische Schlüssel ist, das Publikum zu erreichen. Aber er war eben nicht nur Alex, der Sänger; er war auch Alex, der Charmeur voller Wärme, Herzlichkeit, Witz und Authentizität, der die Gabe hatte, Band und Gäste zu einer Einheit zu verschweißen, die zusammengekommen war, um eine besondere Zeit zu genießen. Und er vermochte jeden scheinbar noch so routinierten Auftritt mit Gänsehaut-Momenten zu versehen, mal durch eine Phrasierung, mal durch eine Ansage und mal durch einen verschmitzten Blick von der Seite. So wurde jedes Konzert mit ihm einzigartig.

Dabei war Alex ein Star ohne Star-Allüren. Unter uns Musikern gab er sich niemals abgehoben oder gar überheblich aufgrund seines Status. Ganz im Gegenteil: Er gab uns allen (sich selbst eingeschlossen) immer das wundervolle Gefühl, gleichberechtigt zu sein. Er drängte sich nicht ins Rampenlicht, sondern ließ jeden von uns leuchten. So vermochte er es, aus uns alles rauszuholen, was ging – du willst jemanden wie Alex einfach nicht enttäuschen, weil du dich dann selbst enttäuschst. 

Mit solchen Menschen Musik machen zu dürfen, ist ein wirklich großes Geschenk, für das wir immer  dankbar bleiben werden.

Weit über zehn Jahre hat Alex uns begleitet, als alleiniger Frontmann oder oft auch zusammen mit Tony Lindsay (also gleich zwei Epochen Santana auf der Bühne!), in Deutschland und Europa, auf Tour, auf Festivals, im völlig runtergerockten Nightliner wie in noblen Hotels, in dunklen Clubs und in festlich-edlen Theatersälen.

Wir haben Kilometer gefressen und Bonusmeilen gesammelt, wir haben tolle Menschen kennengelernt, hervorragend gespeist und getrunken, Stromausfälle auf der Bühne überbrückt, Gepäckstücke verloren, unsere Instrumente im Platzregen untergehen sehen, Leute im Hotel vergessen, den Sonnenuntergang genossen und dergleichen mehr.

Alex kam nicht bloß dazu – er war dabei! Und er hat alles mitgemacht, mit der nötigen Ruhe, mit der gebotenen Professionalität – und vor allem mit einem riesigen Herzen und einer Menge Spaß!

So etwas schweißt zusammen und so sind wir gesegnet mit Erinnerungen an Momentaufnahmen mit Alex, waren es philosophische Diskussionen, Fachsimpeln über die Technik oder andere Bands und Künstler, Anekdoten-Austausch oder auch gerne eine ganze Flut von wortgewandten Sprüchen sowohl feinsinniger Art, als auch jener Sorte, die wir mal schön im Backstage lassen wollen.

Und ich bin froh und dankbar darüber, dass es Aufnahmen in Bild und Ton gibt, die diese Momente auf und hinter der Bühne dokumentieren. Sie werden unseren Erinnerungen ein guter Begleiter sein.

In all der Trauer bleibt uns ein tröstender Gedanke, von dem Alex ein Lied singen konnte:

„Somewhere in Heaven, there is a place for you and me.“

Peace and Love, Alex!

Oliver Steinwede

The MAGIC of SANTANA/420® music